Mittwoch, 21.11.2018


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Im Gespräch mit Thomas Müller-Pering

Jede Breite lebt von ihrer Spitze und umgekehrt

Thomas Müller-Pering (50) gehört seit nahezu drei Jahrzehnten zu den führenden deutschen klassischen Gitarristen. Seit 1980 leitet er eine Hochschulklasse und gibt Meisterkurse im In- und Ausland. 1997 erhielt er eine Professur an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar.
Während der Aystettener Gitarrentage hatte ich die Gelegenheit, mit ihm ein Gespräch zu führen.


Stefan Schmidt im Gespräch mit Thomas Müller-Pering Stefan Schmidt im Gespräch mit Thomas Müller-Pering

Stefan Schmidt:
Thomas, du unterrichtest viel und scheinst regelmäßig zu konzertieren. Wie lässt sich für Dich beides vereinbaren?

Thomas Müller-Pering:
Konzerte gebe ich eigentlich nicht so viel, aber es stimmt, ich bin relativ viel unterwegs. Meistens kriege ich es hin, dass ich auch immer alles nachholen kann, bzw. dass ich mit meinen Studenten ein- oder zweimal im Jahr wegfahre für ein paar Tage. Auf jeden Fall immer im Januar. Manchmal fahren auch meine Studenten mit auf Kurse. Auf Kursen geht ja nicht allein um die Unterrichtsstunde, sondern auch um den Flair und den Geist von solch einem Wochenende, wo man Gleichgesinnte erlebt und merkt, dass sie alle mit Wasser kochen. Die haben alle zu kämpfen und trotzdem haben sie ganz viel zu sagen. Und man ist fasziniert von dem Talent, was andere mitbringen und bekommt selber vielleicht zu hören: 'Was Du da gespielt hast, war ganz toll!'. Und das baut ganz anders auf als der allwöchentliche Trott innerhalb der Hochschule.

Stefan Schmidt:
Ähnliches habe ich auch bei meinen Schülern bemerkt. Seitdem ich mit einem Teil meiner Schüler jedes Jahr nach Aystetten fahre, ist das ein wichtiger Punkt in ihrer Ausbildung geworden. Sie wollen sich ja präsentieren und versuchen sich entsprechend vorzubereiten und benützen dazu die Sommerferien, eine Zeit in der normalerweise nicht so viel geübt wird. Zudem erhalten sie Kontakte zu Studenten und in den Hochschulbereich, was für sie, die ja alle noch zur Schule gehen, richtig toll ist.

Ich habe gehört, dass Du zur Zeit auch eine Gastprofessur in Berlin an der UdK innehast. Wie kam es dazu?


Thomas Müller-Pering
Thomas Müller-Pering:
Ja, seit einem Jahr habe ich die Gastprofessur und ich denke, dass es noch 2 bis 3 Jahre weiterlaufen wird. Es hängt damit zusammen, dass Martin Rennert seine Gitarrenprofessur und seine Tätigkeit als Präsident der Hochschule schlecht vereinbaren kann. Vor etwa einem Jahr hat er mich gebeten, den Unterricht bis auf Weiteres zu übernehmen. Da meine mittlere Tochter zur Zeit in Berlin lebt, habe ich dort eine feste Anlaufstelle. Trotzdem ist es nicht so einfach für mich, da ich es neben meiner Klasse in Weimar, die voll ist, schaffen muss. Ich versuche im Schnitt mindestens alle zwei Wochen in Berlin zu sein, während der Prüfungszeit auch häufiger. Zur Zeit betreue ich dort vier Studenten. Einmal im Semester biete ich zusätzlich einen Meisterkurs für alle Klassen an.

Stefan Schmidt:
Hast Du von Anfang an eine Stelle als Hochschuldozent angestrebt oder war es eher Dein Wunsch, als Konzertgitarrist zu arbeiten.

Thomas Müller-Pering:
Konzertkarriere nur bedingt. Ich wollte schon immer spielen, aber es war nie mein Ziel, nur von Konzerten zu leben. Das wäre mir persönlich viel zu stressig und auch zu rastlos. Dafür bin ich viel zu sehr Familienmensch und auch gern zu Hause. Koffer packen und los ziehen ist für mich eigentlich immer ein Greuel. Wenn ich dann da bin, ist es in Ordnung, aber das Losfahren kostet mich immer Überwindung. Meist macht es mir auch sehr viel Spaß – wenn es nicht zu sehr mit meiner Arbeit in Weimar kollidiert. Vielleicht habe ich auch das Glück, dass ich eine ganze Reihe von Studenten habe, die schon sehr selbständig arbeiten können und für die es gar nicht so wünschenswert wäre, dass ich jede Woche da stehe. Aber ich versuche, möglichst viel da zu sein.

Stefan Schmidt im Gespräch mit Thomas Müller-Pering

Stefan Schmidt:
Herzlichen Glückwunsch übrigens zum Erfolg von Pablo Garibay beim GFA-Wettbewerb (Anm. der Red.: Pablo Garibay wurde Zweiter in diesem Jahr)


Thomas Müller-Pering
Thomas Müller-Pering:

Danke, aber er war eigentlich sehr unglücklich, da das Finale diesmal scheinbar sehr knapp ausgegangen war und er zum zweiten Mal „nur“ einen zweiten Preis erlangt hat. „Nur“ deswegen, da der Wettbewerb eigentlich allein für den ersten Preisträger sehr lukrativ und attraktiv ist. Pablo ist für mich ein unglaublich vollkommener Musiker, den ich wirklich sehr bewundere.

Stefan Schmidt:
Wie viel deutsche Studenten unterrichtest Du? Ich frage deshalb, weil mir verstärkt auffällt, dass es Deutsche sehr schwer haben, im eigenen Land einen Studienplatz angesichts der starken ausländischen Konkurrenz zu bekommen.

Thomas Müller-Pering:
Etwa 40 Prozent meiner Schüler in Weimar sind aus Deutschland.

Stefan Schmidt:
In Augsburg bei Franz Halasz war das Verhältnis meines Wissens nach noch wesentlich extremer. Besteht da nicht die Gefahr, dass in Deutschland der künstlerische und instrumentalpädagogische Nachwuchs auf der Strecke bleibt, da viele Studenten nach ihrem Studium unser Land verlassen? Wie sieht man das von Seiten der Hochschulen?

Thomas Müller-Pering:

Doch das fällt schon auf! Aber bei anderen Instrumenten ist das Verhältnis noch viel extremer. In Klavier haben wir in Weimar kaum mehr deutsche Studenten.

Stefan Schmidt:
Die Tendenz wird sich natürlich noch mehr verstärken, wenn man nicht entgegen steuert.

Thomas Müller-Pering:

Das ist richtig, aber es hängt natürlich auch damit zusammen, dass hier zu Lande das Musikschulwesen viel zu wenig unterstützt wird. In vielen östlichen Ländern sind die Musikschulen komplett frei. Die Kinder bekommen kostenlosen Unterricht. Dafür müssen sie sie sich jedes Jahr beweisen und ihre Leistungen werden regelmäßig überprüft.


Stefan Schmidt
Stefan Schmidt:
Letzte Woche hat in einer Gesprächsrunde eine Funktionärin des Deutschen Musikrats ernstlich behauptet, dass es wichtigste Aufgabe eines Instrumentallehrers wäre, möglichst in der Breitenbildung zu wirken. Der „falsche Ehrgeiz“, die Schüler auf möglichst hohem Niveau zu unterrichten, wäre der falsche Weg. Das Ganze war ein Plädoyer für den Gruppenunterricht als Königsweg.


Thomas Müller-Pering:
Neben einer Breitenbildung darf auf keinen Fall die Spitze vernachlässigt werden. Jede Breite lebt von ihrer Spitze und umgekehrt. Du kannst nicht ausschließlich mit „Klassen musizieren“ dafür sorgen, dass eine Kultur überlebt. Eine Kultur lebt auch von der Wirkung, die die Spitze auf die breite Masse hat.

→ Zum Teil 2 des Gesprächs

 
erstellt am 12.11.2008